Die Personaleinsatzplanung ist für Gastronomen eine der unbeliebtesten Aufgaben. Jede Woche stellt sich die Frage: Wer arbeitet am Samstagabend? Wer übernimmt die Mittagschicht am Mittwoch? Jemand möchte kurzfristig frei, ein anderer ist krank – und der Dienstplan, der am Dienstagvormittag noch stimmte, hat mit der Realität schon nichts mehr zu tun.
In diesem Leitfaden analysiere ich die üblichen Probleme, schlage ein funktionierendes Planungssystem vor und zeige Ihnen die passenden Werkzeuge – inklusive kostenloser Lösungen für kleine Restaurants.
Die echten Probleme der Dienstplanung
Bevor wir über Lösungen sprechen, sollten wir die konkreten Probleme beim Namen nennen:
- Zerstückelte Kommunikation: Schichten werden in WhatsApp-Gruppen mit 15 Personen koordiniert. Eine Änderung geht unter 300 Nachrichten verloren und am Ende taucht jemand nicht auf.
- Keine Kostenübersicht: Was kostet ein Samstagabend mit 6 Kellnern? Ohne strukturierte Daten ist das schwer im Voraus zu kalkulieren.
- Diensttausch per Handschlag: Andrea fragt Mario, ob er am Donnerstag für ihn einspringt. Mario stimmt zu, aber niemand notiert es sich und Sie als Chef wissen von nichts. Am Donnerstagabend stehen plötzlich drei Leute statt vier in der Küche.
- Papierzettel für die Zeiterfassung: Die Anwesenheitsliste geht verloren, wird falsch ausgefüllt oder schlimmer noch: manipuliert. Die Stundenabrechnung am Monatsende wird zur stundenlangen Geduldsprobe.
- Arbeitszeitvorschriften: Arbeitgeber müssen Arbeitszeitnachweise über Jahre hinweg aufbewahren. Ein loser Zettel reicht bei einer Prüfung der Behörden nicht aus.
Das Dienstplansystem, das funktioniert: drei Ebenen
Ebene 1: Wochenplanung
Die Planung muss mindestens 7 Tage im Voraus erfolgen (eine gesetzliche Anforderung gemäß der Arbeitsverträge im Gastgewerbe) und schriftlich mitgeteilt werden. Benötigte Daten pro Schicht:
- Name des Mitarbeiters
- Datum sowie Start- und Endzeit
- Art des Services (Mittag, Abend, Aperitif)
- Funktion (Kellner, Barkeeper, Runner, Kassierer)
Mit diesen Daten können Sie die geschätzten Personalkosten berechnen und sicherstellen, dass Sie ausreichend Personal vor Ort haben. Als Faustregel gilt: Pro 10 Gedecke im Service benötigen Sie mindestens eine Servicekraft. Bei schnellem Service (Pizza, Fast Casual) kann man auf 1 Kraft pro 15–20 Gedecke kalkulieren.
Ebene 2: Zeiterfassung in Echtzeit
Die digitale Zeiterfassung ersetzt den Stundenzettel. Ihre Mitarbeiter stempeln sich direkt per Smartphone ein und aus. Die Vorteile:
- Sie sehen in Echtzeit, wer gerade im Dienst ist.
- Die Stunden werden fehlerfrei und automatisch berechnet.
- Die Daten werden digital gespeichert – jederzeit prüfsicher.
- Verspätungen oder frühes Gehen werden automatisch erfasst.
Ebene 3: Analyse und Optimierung
Mit strukturierten historischen Daten können Sie wichtige Fragen klären:
- Welcher Samstag ist der teuerste in Bezug auf das Personal? Plane ich effizient?
- Wer macht systematisch Überstunden? Liegt es an der Planung oder am Arbeitstempo?
- Wie ist das Verhältnis zwischen Personalkosten und Umsatz pro Zeitfenster?
Diese Daten existieren in Ihrem Betrieb bereits – sie sind nur in Papierzetteln und WhatsApp-Nachrichten vergraben. Ein digitales System macht sie endlich nutzbar.
Tools für die Dienstplanung
Google Tabellen / Excel: Wann es ausreicht
Für Restaurants mit weniger als 5 Mitarbeitern reicht eine geteilte Google Tabelle für den Wochenplan aus. Erstellen Sie ein Tabellenblatt pro Woche, Spalten für die Tage, Zeilen für die Mitarbeiter. Geben Sie dem Personal Lesezugriff und dem Management Bearbeitungsrechte.
Limitierung: keine automatische Zeiterfassung, keine Stundenberechnung, keine Verwaltung von Urlaubsanträgen.
Spezielle Dienstplan-Apps
Es gibt spezialisierte Apps wie Planday, Factorial, Personio oder ähnliche. Voller Funktionsumfang: Drag-and-Drop-Planung, Mitarbeiter-Benachrichtigungen, Urlaubsverwaltung, Zeiterfassung, Export für den Steuerberater.
Kosten: 3–8 € pro Mitarbeiter/Monat. Bei 10 Mitarbeitern sind das 30–80 € monatlich nur für die Planung.
Ein Managementsystem mit integriertem Dienstplan-Modul
Die effizienteste Lösung für Betriebe, die bereits ein System für Bestellungen und Tische nutzen: Die Dienstplanung ist Teil der zentralen Restaurant-Software. GrazieChef integriert die Dienstplanung und Zeiterfassung direkt in das System – Mitarbeiter stempeln sich per Smartphone ein und Sie behalten den Überblick in Echtzeit.
Rechtliches: Was Sie aufbewahren müssen
Die Arbeitsvorschriften im Gastgewerbe bringen einige Pflichten mit sich:
- Auf der monatlichen Gehaltsabrechnung müssen die regulären Arbeitsstunden und Überstunden ausgewiesen sein.
- Arbeitszeitdaten müssen über einen gesetzlich festgelegten Zeitraum aufbewahrt werden.
- Mitarbeiter haben das Recht, rechtzeitig eine Kopie ihres Dienstplans zu erhalten.
- Überstunden müssen gemäß Arbeitsvertrag kommuniziert und vergütet werden.
Ein digitales System zur Zeiterfassung mit PDF- oder CSV-Export ist bei Kontrollen die sicherste Lösung. Ein Stundenzettel aus Papier ist zwar rechtlich zulässig, aber bei Beanstandungen kaum zu verteidigen.
Umgang mit kurzfristigen Ausfällen
Samstagmorgen, 9 Uhr: Die Nachricht kommt: „Ich bin krank, ich schaffe es heute Abend nicht.“ Sie haben 8 Stunden, um Ersatz zu finden. Ein bewährter Prozess:
- Führen Sie eine Liste mit „kurzfristig verfügbaren“ Kräften: Mitarbeiter, die für den laufenden Monat zusätzliche Bereitschaft signalisiert haben.
- Kontaktieren Sie zuerst jemanden, der ohnehin eine Schicht in der Nähe hat (vielleicht kann diese verlängert werden), dann die freien Mitarbeiter.
- Wenn niemand verfügbar ist, passen Sie die Kapazitäten an: weniger Tische, langsamerer, aber kontrollierter Service.
- Öffnen Sie nicht mehr Tische, als Sie bedienen können – die Servicequalität bei Unterbesetzung ist schlimmer als ein „ausgebucht“ Schild.
Saisonale Spitzen meistern
Sommer, Weihnachten, lokale Feste – in touristischen Regionen oder zu Stoßzeiten müssen Sie temporäres Personal einplanen. Praktische Regeln:
- Saisonverträge: Nutzen Sie die gesetzlichen Möglichkeiten für befristete Saisonverträge, um flexibel auf den Sommer zu reagieren.
- Schnelles Onboarding: Neues Personal muss das System in einer Schicht verstehen, nicht in zwei Wochen. Wählen Sie einfache Werkzeuge und lassen Sie sie bei erfahrenen Kräften mitlaufen.
- Sommerpläne 30 Tage im Voraus: Planen Sie nicht von Tag zu Tag. Erstellen Sie den gesamten Sommerplan an einem Nachmittag, auch wenn die exakten Höchstlast-Daten noch nicht feststehen.
Personalkosten: Wie man sie richtig berechnet
Die tatsächlichen Kosten eines Mitarbeiters bestehen aus weit mehr als dem Bruttolohn. Zu den Arbeitgeberkosten zählen unter anderem:
- Arbeitgeberanteile zur Sozialversicherung: ca. 28–33 % des Bruttogehalts.
- Betriebsversicherung: je nach Branche variabel.
- Abfindungsrückstellung: 6,91 % des Bruttogehaltssatzes pro Jahr.
- 13. Monatsgehalt (bei manchen Verträgen auch 14.): 1/12 des Bruttomonatsgehalts für jede zusätzliche Rate.
- Überstundenkosten: Aufschlag von 15–25 % auf Mehrstunden.
Faustregel: Die Gesamtkosten für das Unternehmen liegen bei etwa dem 1,4‑ bis 1,5‑fachen Bruttogehalt des Mitarbeiters. Ein Kellner mit einem Bruttogehalt von 18.000 € kostet das Restaurant jährlich etwa 25.000–27.000 €.
Wenn Sie diese Kennzahl für jede Schicht kennen, können Sie die Lebensmittelkosten exakt berechnen und anhand der Marge entscheiden, wie viele Tische Sie öffnen.
Fazit
Schichtplanung ist kein rein administratives Problem – sie bestimmt die Servicequalität, die Zufriedenheit des Personals und die Marge Ihres Restaurants.
Starten Sie einfach: ein gemeinsames Google‑Sheet für Schichten + digitale Zeiterfassung über das Management‑System. Das ist bereits zehnmal besser als ein WhatsApp‑Gruppenchat oder ein Papierzettel. Wenn Ihr Restaurant wächst, ergänzen Sie ein eigenes HR‑Modul.
Mehr erfahren: kostenloses Restaurant‑Management‑System und Küchen‑KDS.